KDL 1 / K52 im Maßstab 1:35, Bausatz von Trumpeter
Also da steht er vor mir, der riesige Karton, dessen Inhalt mir ein nach dem Zusammenbau lang gesuchtes Modell der Baureihe 52 in Ursprungsausführung verspricht, und das im Maßstab 1:35, also fast Spurgröße 1 ! Doch schon beim Betrachten des gemalten Bildes auf dem Kartondeckel ahne ich, dass das Modell nicht meinen Vorstellungen einer Kriegslok K52 entsprechen wird. Diese großen Windleitbleche aus gespundeten Brettern gehören wohl in die Abteilung Entwürfe und Erprobung von Windleiteinrichtungen für die K52 des RZA Berlin und werden bestimmt nicht an meinem Modell montiert. Aber erst mal weiter schauen und den Karton öffnen. Zum Vorschein kommen ordentlich verpackte Spritzlinge, auch Parts genannt, welche auch auf den zweiten Blick von guter Qualität sind und ein sorgenfreies Basteln versprechen. Ein farbiges Faltblatt zeigt, wie das fertige Modell gefinisht werden sollte, also Lackierung und Beschriftung, b.z.w. Nummerierung. Sicher hat sich der Gestalter große Mühe gegeben, aber die ganze Sache geht sehr weit an der Realität vorbei. Sicher waren die Dampflokomotiven der Deutschen Reichsbahn generell schwarz mit rotem Fahrwerk, aber schon die als ÜK- Lokomotiven gebauten Exemplare der Baureihen 44, 50 und 86 wurden im durchgängigen Eisengrau ausgeliefert, das brachte die Zeit des Krieges und die damit verbundenen Änderungen des Erscheinungsbildes der Fahrzeuge mit sich. Sicher fuhren in dieser Zeit auch noch Loks im gewohnten Schwarz umher, aber ganz sicher nicht die K52. Die kam immer eisengrau, später dann schwarzgrau, und das komplett, aus den Werkhallen. Also der Gestaltungsvorschlag in schwarz/ rot ist somit Unfug und entfällt, der Tipp mit der Tarnlackierung ist für mich ebenso unbrauchbar, weil, wie mir scheint, in dieser Machart unrealistisch. Tarnanstriche waren eine temporäre Angelegenheit und wurde meines Wissens vom Lokpersonal oder in den BW’s je nach Erfordernis aufgebracht, musste wieder leicht entfernbar sein und wurde sicher nicht so korrekt ausgeführt wie auf dem Bild gezeigt. Ein gutes Beispiel ist die in den Ostgebieten typische Wintertarnung, welche in der Regel vom Personal mittels Weißbürste und Schlämmkreide oder vergleichbaren Materialien in freihändiger und lockerer Manier auf die Maschinen gepinselt wurde. Für mich steht damit fest, keine der vorgegebenen Farbvarianten kommt in ernsthafte Erwägung, meine Lok wird schlicht eisengrau, ohne Schnörkel, so wie die K 52 wirklich aussah. Schauen wir uns die beigelegten Nassschiebebilder, heute auch Decals genannt, an, zunächst die Betriebsnummern. Die Form der Zahlen wirkt authentisch und lässt eigentlich keine Kritik zu, anders die ausgesuchten Ordnungsnummern, die da wären: 1325, 2495 und 8139. Letztere ist absoluter Nonsens, 52 8139 ist wohl auch eine 52er, aber definitiv eine Reko- Maschine, 1965 aus der 52 3209 entstanden und 1989 nach den Niederlanden verkauft, meines Wissens noch betriebsfähig. Diese Ordnungsnummer ist demzufolge nicht zu gebrauchen, nehmen wir die nächste,1325. Die 52 1325 war eine Bekanntheit, die Hauptdarstellerin in einem Lehrfilm. Diese Tatsache allein stände einer Verwendung dieser Nummer am Modell nicht im Wege, nur führte die 52 1325 ,wie wohl die Mehrheit aller gebauter 52er, einen Wannentender 2’2’ T 30 mit sich und somit verabschiedet sich auch diese Lok aus der Auswahl. Bleibt 52 2495, von der mir nur bekannt ist, dass es eine Henschel-Maschine war, nach dem Krieg bei der CSD blieb, 1959 zur BDZ (Bulgarische Staatseisenbahn)kam und deren letzte Wirkungsstätte das BW Russe war. Der Zeitpunkt der Zerlegung oder ein anderer Wertegang ist mir nicht bekannt, ebenso ist für mich nicht nachweisbar, ob diese Maschine einen Blechrahmen wie das Modell besaß und wirklich mit einem Steifrahmentender 4 T 30 gekoppelt war. Also heißt es Bilder mit Loks suchen, deren Ordnungsnummern im gleichen Bereich, eventuell dem gleichen Baulos liegen und vergleichen. Das Resultat stimmt versöhnlich, die Wahrscheinlichkeit, dass die 52 2495 über beide Baumerkmale verfügte, ist relativ groß, das heißt, meine Lok wird die 52 2495.Diese Frage ist somit geklärt, also weiter zu den Hoheitsadlern, welche die Führerhausseitenwände zieren sollen. Gehören die wirklich dorthin? Richtig ist, dass der Reichsadler ab 1937 an vielen Lokomotiven und Wagen das Verwaltungseigentumsschild „ Deutsche Reichsbahn“ ersetzte, bei der K 52 war dies allerdings nicht vorgesehen, ich habe selbst noch kein historisches Foto gesehen, welches mich vom Gegenteil überzeugen könnte. Wenn man auch glaubt, die Symbole des dritten Reiches wären zu dieser Zeit allgegenwärtig gewesen, an das Führerhaus einer K 52 gehören sie meines Wissens nicht. Lediglich auf Fotodokumenten der 52 002 ist der Adler sichtbar, allerdings wird vermutet, das diese Maschine sowieso eine umgezeichnete 50 ÜK war. Sachlich richtig hingegen erscheint mir die Darstellung von Betriebsgattungszeichen und Bremsartbezeichnung sowie die übliche Tenderanschrift, welche über Bremsgewichte, Gesamtmasse und Menge der Tendervorräte Auskunft gibt. Das Gattungszeichen muß natürlich unten am Führerhaus platziert werden und nicht, wie auf der Vorlage gezeigt, an der Tenderseitenwand. Wäre abschließend zur Gestaltungsvorlage zu sagen: schnell vergessen ! Doch zuerst muß die Lok ja erst einmal gebaut werden, also frisch ans Werk.
Der Sockel mit dem geschotterten Gleisstück, auf dem die fertige Maschine später stehen soll, ist schnell und problemlos zusammengebaut, alles passt und der Gesamteindruck überzeugt. Am besten gefallen mir die gelaschten Schienenstöße, die lassen die ganze Sache noch realistischer erscheinen. Nun zur Lok selbst, begonnen wird mit dem Rahmen, in diesem Fall ein Blechrahmen, den wohl die Mehrheit aller gebauten 52 besaß. Gegenüber dem herkömmlichen Barrenrahmen sind einige Unterschiede zu beachten, sowohl im Erscheinungsbild als auch bei konstruktiven Merkmalen. Die Gestalter des Modells haben dies sicher nicht so verbissen gesehen und so haben sich einige kleine Unzulänglichkeiten eingeschlichen, die sichtbarste ist die Aufteilung der Federgruppen. Am Modell sieht dies folgendermaßen aus, Laufachse, 1. und 2. Kuppelachse sowie die Treibachse bilden die erste, 4. und 5. Kuppelachse die zweite Federgruppe. Diese Aufteilung findet allerdings nur bei Barrenrahmen Verwendung, bei Blechrahmen geht die erste Federgruppe nur bis zur 2. Kuppelachse, der Rest bildet dann die zweite Federgruppe, aber wer weiß das schon, wenn er das Modell betrachtet. Kuppelkasten und Rauchkammerträger geben zusammen mit den Achsen dem Rahmen Halt und Form. Was man sich jedoch bei den Achsen gedacht hat, wird mir ein Rätsel bleiben. Im Grunde sind diese nur Attrappen, einfach zwischen die Rahmenwangen geklebt, ohne den geringsten Hauch ihrer eigentlichen Funktion, eine Verbindung zu den Rädern besteht gar nicht erst, eine Tatsache, welche mir überhaupt nicht gefallen will und deren Grund mir schleierhaft bleibt. Bei einem Modell dieser Größe dürfte es wohl kein Problem darstellen, die Achsen vorbildgerecht durch die Achslager hindurch zu führen und mit den Rädern, wie beim Vorbild, zu einem festen Radsatz zu verbinden, was dann auch noch sich drehende Räder zur Folge hätte, eine Tatsache die es ermöglichen würde, in Verbindung mit einer beweglichen Steuerung und entsprechender Stangenlagerung die Räder ab und zu in eine andere Stellung zu bringen und damit die darstellerischen Möglichkeiten des Modells aufzuwerten. So aber bleibt alles starr und die einmal gewählte Stellung der Radsätze bleibt nun ein ganzes Modelleben lang, obwohl einige Teile der Steuerung wie Pendel, Voreilhebel, Schieberschubstange, Schwingen und Aufwerfhebel schon recht beweglich sind aber diese Konstruktion nicht nutzen können. Für mich das größte Manko am Modell, welches ich eigentlich nicht umherschieben möchte, mich aber gern an der Funktionalität des Triebwerkes erfreuen würde. Sicher kann man mit eigenen Umbauten das Ganze selbst beweglich gestalten, doch der Aufwand der Umbauarbeiten an Achsen, Rädern, Stangenlagern u.s.w. scheint mir keine Relation zum Rest des Modells zu haben, also bleibt die vorgegebene Starrheit. Bei den Puffern stört mich der zu gering dargestellte Unterschied zwischen Pufferhülse und Stößel, so wirken sie wie aus dem Ganzen gefertigt und hätten somit nicht die erwünschte Funktion. Nach dem Einbau der Pendelbleche, Queraussteifungen und Rahmenlängs – verbindungen ,der Montage des oberen Rauchkammerträgers und der Aufwerfhebelwelle nebst Schwingen, der Luftkessel und sonstiger Rahmenteile sieht alles schon sehr nach Dampflok aus, kleine Eigenbauten bleiben mir aber nicht erspart.

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