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                                                                                      Dierkow und Schwestern

 

Hafen- und Bugsierschlepper "Dierkow", Maßstab 1:25

 

 Das gefällige Erscheinungsbild und die für ein Modellschiff bestens geeigneten Proportionen beeinflussten schon 1970 die Wahl des Vorbildes für ein relativ großes Fahrmodell. Aus diverser Literatur zusammengetragene Abbildungen und das Wissen über die Hauptabmessungen sollten für den Bau der „Dierkow“ ausreichen. Im Maßstab 1:20 entstand so das erste Schlepper-Modell, ca. 1,40 m lang und 38 cm breit. Als das Modell schon einige Einsätze hinter sich hatte, ergab sich während eines von mehreren Aufenthalten in Warnemünde die Möglichkeit, das Original ausgiebig zu studieren. Etliche Detailfotos und Handskizzen ermöglichten dann eine vorbildgerechtere Überarbeitung, besonders des Deckshauses.Weiteres Material wurde gesucht und gefunden. Die Kopie eines Generalplanes von 1964 erlaubte nun einen exakten Nachbau des Schiffes. Der Plan, sowie umfangreiche Beschreibungen vom Aufbau und der Technik des Schleppers, stammten aus einem sehr kompetenten Fachbuch dieser Zeit. Alles war  also authentisch und für die Überarbeitung  des Modells besonders wertvoll.Darüber hinaus ermöglichte mir die Abhandlung einen ungeahnten Einblick in den detailierten Aufbau und die Technik des Schiffes, was beim eigentlichen Bau des Modells zwar nicht zum Tragen kam, mir aber eine gewisse Vertrautheit mit dem Original verschaffte. Gewisse Ungenauigkeiten im Maßstab und in bestimmten Formen, speziell bei der Form des Vorstevens, ließen sich im Nachhinein jedoch nicht mehr korrigieren. So existierte das Modell mit einigen Unzulänglichkeiten bis 1991 in meinem Besitz.

Im Oktober 1994 begann dann der Bau des zweiten Modells des mir ans Herz gewachsenen Schleppers „Dierkow“, diesmal im Maßstab
1:25. 
 
 Nach dem Anfertigen von Spantenriss und diversen anderen Bauzeichnungen sowie mit den Erfahrungen aus dem Bau des ersten Modelles konnte dann die „Dierkow“ erneut auf Kiel gelegt werden.
 
 
Rumpfrohbau gespachtelt.
 
 Der Rumpf entstand in herkömmlicher Spantbauweise, beplankt mit Kiefernleisten der Abmessung 100 x 20 x 4 mm. Die 10 Spanten sind aus 10 mm Sperrholz und besitzen ausreichende Ausschnitte, um im Inneren des Rumpfes möglichst große Bewegungsfreiheit zu erreichen. Die starken Krümmungen des Rumpfes und die relative Dicke der Leisten erforderte ein Einweichen der Planken vor dem provisorischen Anpassen. Getrocknet, wurden die Planken wieder entfernt um sie dann endgültig anzubringen und zu verleimen. Auf der Innenseite des Rumpfes ist zur Vermeidung von Spannungsrissen eine Lage Gewebe mittels Holzleim aufgebracht. Im Deck gibt es vier Öffnungen, zwei im Arbeitsdeck, eine unter dem Maschinenhaus und eine unter dem Deckshaus. Letztere ist identisch mit der Grundfläche des Deckshauses und nur von diesem abgedeckt. Ein ca. 10mm hohes Süll soll vor übergehendem Wasser schützen. Die anderen Öffnungen werden von Decksteilen, bzw. vom Maschinenhausaufbau mit dem Schleppgeschirr verschlossen, wobei die größere Abdeckung im Deck die Beistopperwinde trägt.
Das Schanzkleid besteht komplett aus Messingblech, die Verbindung mit dem Deck wird von der Scheuerleiste verdeckt. Das Deckshaus wurde hauptsächlich aus 1,5 mm Birkensperrholz hergestellt, nur für den abnehmbaren Peildeckaufsatz mit dem Schornstein wurde Messingblech verwendet.
 
 
Peildeckaufsatz und Schornstein sind aus Messingblech gefertigt.
 
Probleme gab es zunächst mit dem Antrieb. Da der Rumpf im Heckbereich das meiste Wasser verdrängt, musste hier also der Großteil der Einbauteile untergebracht werden. Der zum Antrieb vorgesehene Scheibenwischermotor hätte bei der geplanten Montage am Ausgang des Stevenrohres zu weit bugwärts sein Gewicht wirksam gemacht. Die beiden 12 – und 6 V Bleiakkus konnten nur stehend untergebracht werden, doch dafür war die Höhe unter dem Arbeitsdeck zu gering, ausreichend Platz war nur unter dem Deckshaus oder dem Maschinenhausaufbau. Der Platz unter Letzterem wäre bei geplanter Kraftübertragung für den Fahrmotor vorgesehen. Als Lösung des Problems bekam der Motor nun eine Aufhängung über dem Stevenrohrende, quasi umgekehrt und nicht direkt mit der Propellerwelle verbunden. Die Kraftübertragung erfolgte mittels dreier Gummiriemen über zwei große Riemenscheiben.Die ganze Konstruktion wirkte etwas provisorisch, erfüllte aber zunächst ihren Zweck zu voller Zufriedenheit. So fand der 6 V-Akku seinen Platz unter dem Maschinenhausaufbau, der 12 V-Akku stand wie vorgesehen unter dem Deckshaus. Die so entstandene Gewichtsverteilung führte zu der erwünschten Eintauchtiefe und Fahrtests in der Badewanne verliefen erfolgreich. Für den Fahrbetrieb standen drei Stufen in beiden Richtungen zur Verfügung. Ein von einem Ruderservo betriebener Fahrregler schaltete dem Motor die Fahrspannung von 6, 12 oder 18 V zu. Die 18 V resultierten hierbei aus der Reihenschaltung beider Fahrakkus.
 
 
 
 
 
 
Das Modell bei seinem ersten Freiwassereinsatz im April 1996. Die Fahreigenschaften erwiesen sich als sehr zufriedenstellend, technische Probleme traten nicht auf. Die Bilder entstammen vor Ort gedrehten Videofilmen, daher die fragwürdige Qualität.

 Dem ersten Einsatz im Freien folgten neben der Demontage der nicht originalgetreuen Kort-Düse einige Detailverbesserungen, die Positionslampen konnten nun in Betrieb genommen werden und einer der beiden Schlepphaken erhielt eine funktionierende Slipvorrichtung, über die Fernsteuerung auslösbar. Mit dem gleichen Kanal konnten das Radar und die Posi-Laternen ein-oder ausgeschaltet werden. Trotz dieser Zusatzfunktionen wurden für den Betrieb des Schiffes nur drei der fünf Kanäle der Fernsteuerung in Anspruch genommen. Als wenig glücklich erwies sich die Entscheidung, alle vormals rein weißen Aufbautenteile elfenbeinfarbig zu lackieren. Danach hatte das Modell einiges seiner Authentizität eingebüßt. In der Folgezeit fristete der Schlepper ein Dasein als Standmodell, irgendwann musste er seine RC-Anlage abgeben, als diese für Steuerung eines Modell-Panzers herhalten musste. Einsätze im freien Wasser schienen nun endgültig vorbei und der Gesamtzustand verschlechterte sich von Jahr zu Jahr.

 

 

 

Anfang 2008 wurde das Modell für die bevorstehende Generalüberholung vorbereitet, das heißt, so weit wie möglich zerlegt, um die einzelnen Bauteile aufarbeiten bzw. völlig neu herzustellen zu können.
 
 
Einige Teile am Deckshaus wurden bereits entfernt.
 
Innen mussten alle ehemaligen Halterungen und sonstige Einbauten aus dem Rumpf entfernt werden, die Außenseite zeigte einige Risse und Lackschäden. Die Risse wurden aufwendig aufgefüllt und dann wie der Rest der Oberfläche verschliffen. Die Konturen der Ankertaschen erfuhren eine Überarbeitung, die unteren Anlaufkanten erhielten die vorbildgerechte Verstärkung, ebenso die Ränder der Speigatten im Schanzkleid.

Erste Überholungsarbeiten am Rumpf.

Die Ränder der Speigatten erhielten eine vorbildgerechte Verstärkung.

Am Unterwasserschiff mussten einige Risse aufgefüllt und verschliffen werden.

 Die alten Farbschichten des Hauptdecks wurden entfernt, so dass die Naturfarbe des Holzes zum tragen kam. Farbloser Mattlack und etwas stark verdünnte dunkle Farbe geben dem Ganzen das Erscheinungsbild eines strapazierten Arbeitsdecks. Die Lackierung des Rumpfes erfolgte zunächst in den üblichen Farben Hellgrün und Schwarz, zum ersten Mal mit wasserlöslichen Acryllacken. Diese Wahl erwies sich im Nachhinein als nicht so optimal, da die Farben im Bereich der Oberflächenhärte schlecht abschneiden. Besonders im Unterwasserbereich reichten schon geringfügige Berührungen mit dem Schiffsständer aus, um die Farbschicht zu beschädigen. Die Ankerwinde sowie auch die Beistopperwinde auf dem Arbeitsdeck sind unter Vorlage korrekter Vorbildfotos neu entstanden, neu angefertigt wurden auch die Türen und fast die komplette Inneneinrichtung des Ruderhauses, ein Teil der Abgasanlage, Tankeinfüllstutzen, Wartungsluk im Vorpiek, ein Verbindungsgang zwischen Backbord- und Steuerbordschott mit den darin befindlichen Schotts zur Kombüse, dem Wasch- und Maschinenraum usw. und die Lenzpumpe am Vorschiff.

 Die Arbeiten gehen voran.

Der Gesamteindruck ist vorerst wieder zufriedenstellend.

Einer der beiden Haken des Seebeck- Radialschleppgeschirres, gut erkennbar die Slipvorrichtung.

 

Die beidenAbgasrohre der Hauptmaschinen, davor mit Regenschutzklappe das Abgasrohr der Hilfsmaschine. 

 Alle anderen Bauteile und Baugruppen erhielten außer dem obligatorischen neuen Anstrich eine gründliche Überarbeitung und teilweise auch eine Modifizierung.
 
 
Zug- und Motortest in der Badewanne.
 
Nachdem die Arbeiten beendet waren, kamen jedoch neue Ideen für weitere Verbesserungen bzw. Veränderungen. Die bis dahin nicht aktiven, weil nur angedeuteten Lampen des Schiffes sollten zum Leuchten gebracht werden.
 
 
Lichttest.
 
Also erhielten alle relevanten Beleuchtungskörper ein funktionierendes Innenleben. Top, Heck- und Positionslaternen beherbergen herkömmliche 3V Miniaturlämpchen, alle anderen Lampen sind mit weißen 3mm Leuchtdioden bestückt. Den benötigten Strom beziehen die Verbraucher von jeweils zwei 1,2 V Baby-Akkus, welche in zwei Gruppen an der inneren Rückwand des Deckshauses angebracht sind. Eine Gruppe speist Radar und Fahrbeleuchtung, die andere den Rest der Lampen. Mit unter den Oberlichtern versteckten Schaltern können Radar, Fahrbeleuchtung und allgemeine Beleuchtung nebst 1000 W-Seescheinwerfer getrennt betrieben werden. Ebenfalls im Innern des Deckshauses ist der 2-Kanal-Schalter untergebracht, mit welchem das Licht in zwei Gruppen über die Fernsteuerung geschaltet werden kann. Alle ehemals rotbraunen Bauteile bekamen einen nussbraunen Anstrich, weil die vorhergehende Lackierung zu bunt wirkte. Die Generalüberholung der „Dierkow“ ging langsam dem Ende entgegen.
 
 
Einige Besatzungsmitglieder haben schon mal vom GR- Schiff Besitz ergriffen.
 
 
Die Ankerwinde in der endgültigen Farbgebung.
 
 
Das Arbeitsdeck mit diversem Zubehör.
 
 
Die Generalüberholung kann als abgeschlossen bezeichnet werden und hat fast ein Jahr gedauert.
 

 

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