Klipper "Cutty Sark", Maßstab 1:43

Zu dem Klipper "Cutty Sark" habe ich seit meiner Kindheit eine besondere Affinität. Es war wohl der Name des Schiffes, der mir geheimnisumwittert erschien, dabei noch nicht wissend, was er eigentlich bedeutete. Heute ist mir bekannt, dass es das kurze Hemdchen der unterm Bugspriet des Windjammers drohenden Hexe Nannie ist, was für den Namen herhalten musste. Die junge Hexe Nannie in ihrem Kurzhemd (geschnittenes Hemd) entspringt dem Poem "Tam O `Shanter" des schottischen Dichters Robert Burns , in dem Nannie einen jungen Mann verfolgt, dieser aber auf seinem Pferd entkommen kann. Nur den Schweif des Rosses kann die Hexe an sich reißen. Daher der Brauch der auf der Cutty Sark fahrenden Seeleute, einen aus aufgetrotteltem Hanftau gefertigten Pferdeschwanz an der drohenden Hexenfaust zu befestigen, wenn das Schiff im Hafen lag. Soviel zum Namen. In einem Artikel der Illustrierten "Zeit im Bild" laß ich 1956, dass die Cutty Sark nun nach gut zweijähriger Restauration in ihrem eigens dafür gefertigtem Trockendock im Londoner Stadtteil Greenwich der Öffentlichkeit übergeben wurde. Eines der dem Artikel beigefügten Fotos zeigte die Windsbraut in ihren besten Tagen unter vollem Press,ein Bild, was mich nicht mehr losließ. Die gigantische Segelpyramide vor dem geistigen Auge reifte ein Plan, dieses Schiff als Modell zu bauen, allerdings ohne über jegliche Erfahrung und materielle Basis zu verfügen, geschweige eine Ahnung davon zu haben, wie so ein Tiefwassersegler aufgebaut ist und funktioniert. Es blieb also alles ein Traum, im Hinterkopf aber blieb die Cutty Sark als Modell erhalten, setzte sich dort fest bis im Marinekalender der DDR vom Jahr 1966 erneut ein Artikel über das Schiff meiner Träume erschien. Hier erfuhr ich dann erstmals Details über die Abmessungen des Klippers, Höhe der Masten und Rahlängen, zudem war ein Segelriss abgedruckt, weitere wichtige Fakten jedoch fehlten noch immer. Obwohl das Schiff noch existierte, kam ich nicht an Material heran, welches zur Fertigung eines guten Modells benötigt werden würde. Der spontane Bau einer Viermastbark stellte dann die Vorstufe zum erträumten Modell dar, ich lernte viel über Takelung und grundlegenden Aufbau von Großseglern. Die Bark wurde verschenkt und nun begann das Projekt Cutty Sark 1, trotz mir nach wie vor präzise Bauvorlagen nicht zur Verfügung standen. Das fertige Modell hatte nun zwar auf den ersten Blick eine Ähnlichkeit mit dem Original aber mir war sofort klar, meinen Ansprüchen an Authentizität genügte es bei weitem nicht. Voller Verdruss erhielt der Segler einen unverfänglichen neuen Namen, erfuhr geringe Umbauten und verbrachte so einige Jahre als Staubfänger in unserem Korridor. Im Zusammenhang mit einem Umzug erfolgte die Abtakelung und und das Modell wechselte als Schenkung den Besitzer. Was war das für eine Aufbruchsstimmung ,als ich nach Überwindung meiner Flugangst nach London reisen konnte um meine alte Liebe zu besuchen, ihr erstmals gegenüber zu stehen und meine Hand auf Holz zu legen zu können, welches schon alle Meere dieser Welt gesehen hat. Beeindruckte mich auch vorher der Anblick der Segler "Passat","Gorch Fock" oder "Greif", die Cutty Sark stellt alle in den Hintergrund. Hier haben die schottischen Schiffsbauer ein Meisterwerk geschaffen, was einen eigenartig berührt und nicht wieder los lässt. Kein Wunder, dass die Engländer ihre Segelhexe so lieben, auch wenn sie in ihrer aktiven Zeit kein Gewinner sondern eher ein Schlemihl war, vielleicht auch gerade deshalb. Jetzt konnte ich Reprints der originalen Bauunterlagen kaufen, so den General-Takel-und Segelplan und 1997 erfolgte die Kiellegung auf meiner Helling, die Cutty Sark, im Zustand ihrer Indienststellung 1870 und im Maßstab 1:43.



Oben: Diese Fotos belegen die ersten Bauphasen, später vergaß ich leider das Fotografieren der Baufortschritte.

Es ist nicht einfach, das Modell an seinem Standort in seiner Gänze aufs Bild zu bekommen ! Links neben der Handelsflagge Englands hängt eine Nachbildung des blechernen Kurzhemdes, welches der Cutty Sark am Großtop als Wetterfahne diente.
Ruderschaft und Ruderaufhängung

Blick unter das Kreuzmars mit der Besangaffel

Großbramsaling

Vor-Groß-und Kreuzmast, sämtliche Parten des laufenden Gutes sind übrigens funktionstüchtig, es können also alle üblichen Manöver wie Brassen oder Fieren der Rahen nachvollzogen werden, nur das anschließende Belegen der Tampen erweist sich als als nervige Fummelei

Blick von der Back über beide Deckshäuser zum Achterdeck
Mehr Bilder vom Cutty Sark - Modell gibt es auf meiner speziellen Cutty Sark Seite
Zu meiner speziellen Cutty Sark-Seite > Cutty Sark